„Gipfelstürmer": Klaus Hoi und der Grimming - Freiluftseele

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„Gipfelstürmer": Klaus Hoi und der Grimming
Vom Klettern beseelt
Aus dem Buch „Gipfelstürmer"

Es gibt nur eine Handvoll Bergsteiger, die ganz unterschiedliche Epochen des Alpinismus durch ihre Kreativität, ihre Erstbegehungen mitprägten. Einer davon ist der Österreicher Klaus Hoi. Inzwischen über achtzig, hat er schon in der Zeit des technischen Kletterns Marksteine gesetzt. Danach nutzte er die Entwicklung in der Rückbesinnung auf die große Freiklettertradition für ernste, alpine Erstbegehungen, um schließlich in der Sportklettergeneration als Altvorderer den jungen Avantgardisten nicht nur Orientierung zu sein, nein, er kletterte in ihrer Mitte als einer ihrer Besten! Allzeit berührten seine neu eröffneten Routen die Grenzen des Machbaren, führten immer die Beinamen »das Schwerste«, »das Äußerste«.
Die Liebe zu den Bergen und zu seinen Hunden prägt das Leben von Klaus Hoi.
Fotos: © Archiv Hoi
Nimmt man überdies die außerordentliche Zahl dieser Erstbegehungen, dazu die Eleganz und Fairness seines Stils, dann muss man ihn in der Rangliste der fähigsten Kletterer aller Zeiten zwangsläufig auf einen der vordersten Plätze setzen. Doch derlei Ruhmeslorbeeren bedeuten Klaus Hoi nichts. Er klettert stattdessen lieber, und das bevorzugt in seinen Heimatbergen. Dort ist er zu Hause, dort ist er verwurzelt. Und vom heimischen Gesäuse und Dachstein aus konnte er zu einem der komplettesten Alpinisten und kompetentesten Berufsbergführer werden. Ein Vollblutalpinist, einerlei ob er sich im Eis, als Winterbergsteiger und auf Skitour, als Bergretter und als Ausbilder alles abverlangte oder als Bergführer mit seinen Gästen unterwegs war.
Eine verbotene Liebe
Von seinem Wohnort Öblarn in der Steiermark hat er seinen täglichen, aber stets neuen Grimming-Blick. »Der Grimming war für mich immer beherrschend«, betont der bodenständige Alpinist. Früher sei dort sehr wenig los gewesen, inzwischen aber würden die Parkplätze immer voller und die Begehungen zunehmen, so Klaus Hoi, der das sicherlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge beobachtet. Erstmals in bergsteigerischer Absicht wurde der Grimming wahrscheinlich Mitte des 19. Jahrhunderts bestiegen. Die Erstbesteiger werden sicherlich begeistert die fantastische Aussicht auf die umliegende Bergwelt und darüber hinaus genossen haben.
Der Grimming ist ein Berg, ganz nach dem Geschmack von Klaus Hoi: nicht leicht zu erreichen und immer herausfordernd.
Für Klaus Hoi war der Berg bereits zu Jugendzeiten in Liezen dominierend, und in seiner Schulzeit in Raumberg stellte er eine ständige Verlockung dar. »Unser gestrenger Direktor, Hofrat Lerner, hat Bergsteigen, insbesondere aber eine Besteigung des Grimmings für verboten erklärt, nachdem ein Tiroler Mitschüler am Grimming tödlich abgestürzt war«, erinnert sich Hoi. Im Internat der Schule habe ein strenges Regime geherrscht. »Ich empfand dies alles als zu eng und eingeschränkt und versuchte beim Bergsteigen, meinen Freiheitsdrang auszuleben.«
In geheimer Aktion
1962 durchstieg Klaus Hoi mit seinem Jugendfreund Hugo Stelzig in den Ferien die Heckmair-Route in der für ihre Bedrohlichkeit berüchtigten Eiger-Nordwand. »Das hat selbst Hofrat Lerner zu einem anerkennenden Glückwunschtelegramm veranlasst.« Während der Schulzeit aber blieb weiterhin das Bergsteigerverbot aufrecht. »Als ich den Plan einer Winterbesteigung des Grimmings in die Tat umzusetzen begann, mussten wir heimlich vorgehen. Wir schlichen uns im März 1963 zu dritt ganz verstohlen aus der Schule.« Bei herrlichem Wetter, äußerst schlechten Schneeverhältnissen und brüchigem Fels habe der Vollmond am Grimming-Südgrat für die nötige Orientierung beim nächtlichen Einstieg gesorgt, so Klaus Hoi. »Um drei Uhr früh erreichten wir nach 14 Stunden den Gipfel des Hochgrimmings. Der Abstieg über die Multereck-Ostflanke (Grasleiten-Rinne) hielt uns noch sehr in Atem. Über sehr steile und harte Lawinenbahnen mussten wir uns buchstäblich mit den Fußspitzen eine Stufenleiter schlagen.«
Beruf und Berufung – neben unzähligen Gästen profitierten auch junge Bergführer von Hois riesigem Erfahrungsschatz.
Alles ging gut, um halb sieben erreichten die drei Gipfelstürmer die Grimminghütte. »Ich eilte nach Niederstuttern zu meinem Moped und fuhr nach Raumberg. Als ich dort um sieben Uhr eintraf, war es bereits zu spät und unsere Abwesenheit bei der morgendlichen Zimmerkontrolle bereits aufgeflogen«, erinnert sich Hoi heute ganz entspannt. »Die Bestrafung war sehr demütigend, ich glaube aber, die Tour war es wert!«

Kein Allerweltsberg
»Touristisch ist der Grimming erst nach dem Dachstein oder Gesäuse in Mode gekommen, inzwischen aber ein begehrter Gipfel, der vom Besucher einiges abverlangt. Dazu ein extremer Ski- und Flugberg, sowohl für Segelflieger vom Flugplatz Niederöblarn als auch für Paraglider, und die steigen natürlich zu Fuß auf«, weiß Klaus Hoi über seinen Lieblingsberg. »Für mich war es ein Eldorado. Der Zugang zu manchem Einstieg ist hart, man geht mitunter zwei Stunden durch die Wildnis, und so ist der Berg immer noch kein Allerweltsberg.« Einst hielt man den Grimming sogar für den höchsten Gipfel der Steiermark und nannte jenen gewaltigen östlichen Eckpfeiler des Dachsteingebirges deshalb Mons styriae altissimus. Wie ein riesiger Felsbrocken dominiert er in seinem Umkreis das Ennstal, steigt aus dem ausgedehnten Talgrund nahezu übergangslos rund 1700 Meter auf. Zwar gehört er nicht zu den rundum schwierigen Bergen, ist aber auch nicht zu unterschätzen. In der klassischen Erschließung, so Klaus Hoi, seien vor allem die Grate und Schluchten begangen worden. »Die steilen, plattigen Wände aber sind glücklicherweise mir vorbehalten geblieben!«, ergänzt er mit einem Schmunzeln.
Spannende Geschichten berühmter Bergsteiger über ihre Lieblingsberge

Klappentext:
Was macht einen Berg unvergesslich? In Gipfelstürmer erzählen berühmte Alpinisten von ihren Lieblingsbergen – von ikonischen Gipfeln bis zu versteckten Juwelen. Persönliche Erlebnisse, packende Anekdoten und beeindruckende Leistungen machen dieses Buch zu einer Hommage an die Faszination der Berge. Mit O-Tönen, Hintergrundinfos und Tourenfakten – für alle, die selbst aufbrechen oder einfach träumen möchten.
ISBN: 978-3-946862-14-7
Preis: 24,95 Euro
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